| Bild: Titel ZB 1/2011 |
ZB 1-2011

Bildungsangebot der Integrationsämter

Fit für die Praxis

Die Wahl der Schwerbehindertenvertretungen ist vorbei, der Arbeitsalltag beginnt: Mit dem Informations- und Bildungsangebot der Integrationsämter erhalten die Mitglieder des betrieblichen Integrationsteams das Rüstzeug für die Praxis.

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Bildungsangebot der Integrationsämter

Fit für die Praxis

Die Wahl der Schwerbehindertenvertretungen ist vorbei, der Arbeitsalltag beginnt: Mit dem Informations- und Bildungsangebot der Integrationsämter erhalten die Mitglieder des betrieblichen Integrationsteams das Rüstzeug für die Praxis.

Sie sind derzeit am meisten gefragt: die Grundkurse für die neu gewählten Vertrauenspersonen schwerbehinderter Menschen. Der dreitägige Kurs bildet die Basis in dem modularen Kurssystem der Integrationsämter. Er wird ergänzt durch Aufbaukurse und Informationsveranstaltungen. Das Ziel der Kurse: Die Praktiker in den Betrieben sollen einerseits so eigenständig wie möglich handeln können und andererseits wissen, wer ihre internen und externen Ansprechpartner sind, zum Beispiel bei den gesetzlichen Leistungsträgern. Die Referenten kommen in der Regel aus der Praxis und verfügen über langjährige Erfahrung in den Bereichen Begleitende Hilfe und Kündigungsschutz.

Nah an der Praxis
Je nach Fortbildungsinhalt werden auch Fachleute aus Spezialgebieten für die Kurse eingesetzt. Beispielsweise informieren Ingenieure vom Technischen Beratungsdienst des Integrationsamtes über die behinderungsgerechte Einrichtung von Arbeitsplätzen und Richter vom Arbeitsgericht referieren zum Thema Arbeitsrecht. Praxisbezug wird bei den Kursen des Integrationsamtes groß geschrieben. Daher ist in den Seminaren auch immer genügend Raum für individuelle Fragen der Kursteilnehmer. Die Mitglieder des betrieblichen Integrationsteams, zu dem neben der Schwerbehindertenvertretung (SBV) auch der Beauftragte des Arbeitgebers und Betriebs- oder Personalräte gehören, können sich bei den kostenlosen Kursen des Integrationsamtes nicht nur Fachwissen aneignen. Über das rechtliche Rüstzeug hinaus erwerben sie auch Handlungs- und Methodenkompetenz, beispielsweise in Seminaren zu Gesprächsführung und in der Lage, ihr Know-how konstruktiv einzubringen. Nach der Devise: Kooperation statt Konfrontation!

| Bild: Mann lehnt sich zurück, (c) iStockphoto/Yuri Arcurs |
Aktuell und flexibel
Weil im vergangenen Herbst viele Schwerbehindertenvertretungen ihr Amt neu aufgenommen haben, enthält das Kursprogramm 2011 mehr Grund- und Aufbaukurse als sonst. In den folgenden drei Jahren der Amtsperiode werden diese allmählich zurückgefahren, zu Gunsten von Fachthemen für Fortgeschrittene. Bei der Planung des Kursangebots haben die Schulungsfachleute auch ständig die aktuelle Rechtslage im Blick, um die Inhalte der Seminare anpassen und bei Bedarf kurzfristig mit zusätzlichen Veranstaltungen reagieren zu können. Jährlich führen die Integrationsämter rund 800 ein- oder mehrtägige Veranstaltungen durch. Dazu kommen zahlreiche Angebote in Zusammenarbeit mit anderen Trägern. Insgesamt wurden so 2009 knapp 40.000 Personen erreicht, die sich beruflich mit der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen befassen. Die meisten Teilnehmer von Kursen des Integrationsamtes – rund 85 Prozent – sind Schwerbehindertenvertreter.

Auf die SBV spezialisiert
Die Integrationsämter haben sich auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Schwerbehindertenvertretungen optimal eingestellt. Die Konzentration auf Kernthemen wiederum garantiert, dass vorrangig Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden, die für deren Arbeit unmittelbar erforderlich sind. Ein überzeugendes Argument, sich für einen Kurs des Integrationsamtes zu entscheiden, sind für viele Schwerbehindertenvertretungen die Kontakte zu anderen Vertrauenspersonen. So bieten beispielsweise die freien Abende während der mehrtägigen Kurse Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre mit anderen Vertrauenspersonen ins Gespräch zu kommen und sich persönlich näher kennen zu lernen. Die Dozenten stehen auch über die Kursdauer hinaus als Ansprechpartner beim Integrationsamt zur Verfügung und sind gerade für Anfänger im Amt ein wichtiger Ratgeber bei individuellen Fragen. Bewusst fördern Schulungsleiter in ihren Kursen die aktive Beteiligung der Teilnehmer, etwa durch Diskussionen, Kleingruppenarbeit und Rollenspiele. Dieser Austausch und die Möglichkeit, einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, motivieren viele Teilnehmer, die Herausforderungen ihres Amtes mit Selbstvertrauen und Freude an der Arbeit anzupacken.

| Bild: Grafik: Das modulare Kurssystem, (c) Atelier Stepp
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Vorteile auf eine Blick

Was zeichnet das Kursangebot der Integrationsämter aus?

 

ZUM THEMA

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Ihr Recht auf Fortbildung

Schwerbehindertenvertretungen haben das Recht, an Seminaren und Informationsveranstaltungen der Integrationsämter teilzunehmen, um die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für ihr Amt zu erwerben (§96 Abs. 4 Satz 2 SGB IX).

Freistellung: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Schwerbehindertenvertretungen für die Teilnahme an Seminaren freizustellen.
Zeitumfang: Für erstmals gewählte Vertrauenspersonen sind fünf Tage im ersten Jahr angemessen, in den folgenden Jahren sollten drei Tage eingeplant werden.
Kosten: Die Seminare der Integrationsämter sind für die Teilnehmer kostenfrei. Die Integrationsämter tragen die Sachkosten, etwa für Informationsmaterial. Die Arbeitgeber übernehmen für ihre Mitarbeiter das Arbeitsentgelt, die Kosten für Unterkunft undVerpflegung sowie die Fahrtkosten.

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Bildungsangebot der Integrationsämter

Für jeden das Passende

| Bild: Für jeden das Passende, (c) iStockphoto/monkeybusinessimages |
Es gehört zu den Aufgaben des Integrationsamtes, betriebliche Integrationsteams für ihre Arbeit zu schulen. Wählen Sie aus dem umfassenden und vielseitigen Bildungsangebot das für Sie Passende aus!

Das Bildungsangebot der Integrationsämter mit den Kursen und Informationsveranstaltungen wird ergänzt durch Publikationen und eine Lernplattform im Internet, die weiter ausgebaut wird. Welches Angebot im jeweiligen Fall das „Richtige“ ist, hängt ganz von der Ausgangssituation, den Wünschen und Bedürfnissen des Einzelnen ab. Hier einige denkbare Beispiele …

Grundkurs für Einsteiger
Die Schwerbehindertenvertreterin einer Klinik in Thüringen wurde kürzlich zum ersten Mal in das Amt gewählt. Für die ehemalige Krankenschwester, die nach einem schweren Rückenleiden in der Verwaltung der Klinik arbeitet, ist es ein Sprung ins kalte Wasser: Denn abgesehen von ihren eigenen Erfahrungen als schwerbehinderte Arbeitnehmerin besitzt sie keinerlei Vorkenntnisse. Trotzdem freut sie sich auf die vor ihr liegende Herausforderung. Ihr Vorgänger im Amt gab den Tipp, beim Integrationsamt einen Kurs speziell für Anfänger zu besuchen.

Mehr als ein Drittel aller im Herbst 2010 gewählten Schwerbehindertenvertretungen sind neu ins Amt gekommen. Mit dem Besuch eines Grundkurses beim Integrationsamt können sie sich zeitnah Basiswissen aneignen. Der Kurs hilft ihnen, sich in ihrer neuen Funktion zu etablieren. Die Teilnehmer erfahren zum Beispiel, wie die ersten Schritte im Amt aussehen. Sie erhalten einen Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten einer Schwerbehindertenvertretung, über ihre Rechte und Pflichten. Bevor Neulinge weitere vertiefende Kurse belegen, ist es ratsam, erst etwas Erfahrung in der Praxis zu sammeln.

Aufbaukurse und Info-Veranstaltungen
Über Erfahrungen und Kenntnisse verfügt der Schwerbehindertenvertreter eines Autohauses in Baden-Württemberg schon reichlich. Seit 15 Jahren engagiert er sich als Vertrauensperson für die schwerbehinderten Beschäftigten. Als er im Kursprogramm des Integrationsamtes auf die eintägige Veranstaltung „Aktuelle Entwicklungen im Arbeits- und Schwerbehindertenrecht“ stößt, ist sein Interesse geweckt. Die Zeit will er sich nehmen, um sich wieder auf den neusten Stand zu bringen. Außerdem ist das eine gute Gelegenheit, so sagt er sich, um mit Schwerbehindertenvertretern aus anderen Unternehmen ins Gespräch zu kommen. So mancher langjährige Kontakt ist auf diesem Weg entstanden. Mit einigen der Kolleginnen und Kollegen aus der Region hat er sogar einen Stammtisch gegründet.

Schwerbehindertenvertretungen, die schon einen Grundkurs besucht haben, können mit einem zwei- oder dreitägigen Aufbaukurs das vorhandene Wissen vertiefen und erweitern. Zum Standardrepertoire der Integrationsämter gehören zum Beispiel die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung, Prävention und Kündigungsschutz nach dem SGB IX sowie Gesprächs- und Verhandlungsführung. Für Arbeitgeberbeauftragte wird ein eigenes Seminar angeboten, welches Grundlagen zum Schwerbehindertenrecht vermittelt und in die Aufgaben eines Arbeitgeberbeauftragten einführt.

Die kürzeren Informationsveranstaltungen oder Workshops wenden sich mit eher spezialisierten Inhalten an erfahrene Funktionsträger.

Inhouse-Schulungen und mehr
Vor zwei Jahren beschloss eine große Metall verarbeitende Firma in Hessen, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) einzuführen. Weil das BEM eine Team-Aufgabe ist, an der viele Stellen im Betrieb beteiligt werden sollen, schlug der Schwerbehindertenvertreter des Unternehmens vor, eine Inhouse-Schulung – also ein Seminar vor Ort – zu organisieren. Der Dozent des Integrationsamtes erkundigte sich vorab nach den inhaltlichen Wünschen des Betriebes und der Zusammensetzung der Teilnehmergruppe, um die Veranstaltung passgenau auf das Unternehmen zuschneiden zu können. Er blieb dem Betrieb auch nach dem Seminar als wichtiger Ansprechpartner erhalten.

Ob Inhouse-Schulung, mehrtägiger Intensivkurs, Vortrag, Workshop oder zertifizierte Fortbildung – mit den vielfältigen Veranstaltungskonzepten versuchen die Integrationsämter, den unterschiedlichen Anforderungen in Bezug auf Vorkenntnisse, Qualifizierungsbedarf und Zeitbudget der Teilnehmer gerecht zu werden.

| Bild: Inhouse-Schulung, (c) iStockphoto/Yuri Arcurs |
BIH Online Akademie
Bereits zum zweiten Mal erklärte sich der Redakteur einer Berliner Stadtzeitung bereit, als Wahlvorstand die SBVWahlen in seinem Verlag vorzubereiten. Da er vor vier Jahren einen Kurs beim Integrationsamt besucht hatte, wusste er noch in etwa, wie das Verfahren abläuft. Bei vielen Detailvorschriften war er sich aber nicht mehr so sicher. Ein erneuter Seminarbesuch erschien ihm jetzt zu aufwändig. In der Zeitschrift ZB erfuhr er schließlich von der BIH Online Akademie, die im Internet einen „Kurs online zur SBVWahl“ anbietet. Er probierte es aus und testete als erstes mit einem Quiz sein Wissen. Dann klickte er sich durch das 40-minütige Lernprogramm, um die wichtigsten Wahlvorschriften aufzufrischen. Als er sich später bei der Interpretation einer gesetzlichen Vorschrift unsicher war, stellte er seine Frage kurzerhand in das Forum der Akademie, wo sie von einem Experten des Integrationsamtes beantwortet wurde.

Die BIH Online Akademie ist eine kostenlose Diskussions- und Lernplattform im Internet. Das Programm umfasst derzeit drei „Lernpakete“: Betriebliches Eingliederungsmanagement, Integrationsvereinbarungen und die Wahl der Schwerbehindertenvertretung. Mit ihrem multimedialen und interaktiven Angebot laden sie zum Selbststudium ein, etwa zur Vor- oder Nachbereitung eines Präsenzseminars. Gleichzeitig ermöglichen Foren den Austausch zwischen den Teilnehmern. Das kostenlose Angebot steht allen Interessierten offen. Die BIH Online Akademie wird weiter ausgebaut – es lohnt sich daher, immer mal wieder vorbeizuschauen.


Aktuelles
Fortbildungsangebot

Das Fortbildungsprogramm finden Sie auf der Internetseite Ihres Integrationsamtes: Zugang


Publikationen

Verschiedene Themenhefte, das Handbuch ABC Behinderung & Beruf und weitere Publikationen sind kostenlos bei Ihrem Integrationsamt erhältlich. Teilweise sind sie auch in der Infothek verfügbar. 

Die ZB Zeitschrift: Behinderte Menschen im Beruf wird von der BIH herausgegeben und informiert vierteljährlich über aktuelle Themen. Schwerbehindertenvertretungen erhalten die ZB kostenlos und automatisch zugesandt.

Das Internet-Archiv ZB online enthält alle Ausgaben vom aktuellen Heft bis zur Ausgabe 1/2005.


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