| Bild: ZB 1-2016 Titel, (c) Claudius Pflug
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ZB 1-2016

HIV und Aids

Ein rein soziales Problem

Seit 30 Jahren ist HIV Thema in Deutschland. Der medizinische Fortschritt ist groß. Geblieben sind Fragen und Ängste – gerade wenn es um die Beschäftigung von HIV-positiven Menschen geht.

Aus der Praxis

 

ZB 1-2016

HIV und Aids

Ein rein soziales Problem

HIV trifft überwiegend Menschen im Erwerbsalter. Mit dem Thema sind viele Ängste und Fragen verbunden. Kann ein Mensch mit HIV arbeiten? Dazu Zahlen, Fakten und die Erfahrungsberichte von zwei Arbeitnehmern.

Heike Gronski von der Deutschen Aids-Hilfe neben einem Plakat mit   der Aufschrift
HIV-positive Arbeitnehmer werden häufig als Bedrohung wahrgenommen:
Noch immer führt die Diagnose HIV-positiv bei vielen Menschen zu großer Verunsicherung und irrationalen Ängsten. Das gilt auch im Berufsleben – ein unaufgeregter Umgang mit HIV-positiven Mitarbeitern ist nicht selbstverständlich. Es kommt immer wieder zu Diskriminierung, Mobbing oder sogar zur Kündigung der Betroffenen.

Die rechtliche Seite ist dabei ganz klar: HIV-positive Arbeitnehmer sind durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Ein entsprechendes Urteil* hat das Bundesarbeitsgericht 2013 gefällt. In dem verhandelten Fall wurde einem HIV-positiven Labor-Mitarbeiter während der Probezeit gekündigt. Der Arbeitgeber, ein Arzneimittelproduzent, fürchtete um seinen guten Ruf und argumentierte mit drohenden Schadensersatzklagen und einem Risiko für die Arbeitssicherheit. Laut Urteil gilt jedoch auch eine symptomlose HIV-Infektion als Behinderung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Eine Kündigung aufgrund einer HIV-Infektion ist damit diskriminierend und unwirksam.

Veraltetes Halbwissen Ursache für die Diskriminierungen ist häufig ein veraltetes Halbwissen. "In vielen Köpfen hat sich das Bild von HIV und Aids der 1980er und frühen 1990er Jahre festgesetzt", erklärt Heike Gronski, Referentin der Deutschen Aids-Hilfe. Vor 30 Jahren bedeutete die Infektionskrankheit tatsächlich massive gesundheitliche Einschnitte und war häufig Todesursache. "Diese Vorstellung herrscht auch heute noch vor: HIV wird als Supergau im Leben eines Menschen empfunden", sagt Heike Gronski. Inzwischen hat sich die Situation aber grundlegend gewandelt. Wird die Infektion früh erkannt und medikamentös behandelt, hat sie kaum noch gesundheitliche Einschränkungen zur Folge. Menschen mit HIV haben dann eine annähernd normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität.

Keine Leistungsunterschiede Die britische Studie „Working with HIV“** aus dem Jahr 2009 hat mögliche Auswirkungen der Infektionskrankheit auf die Berufstätigkeit unter die Lupe genommen. Dabei wurde weder bei der Anzahl der jährlichen Krankheitstage noch bei der Leistungsfähigkeit ein Unterschied zwischen HIV-positiven und HIV-negativen Mitarbeitern festgestellt. Längere Fehlzeiten gab es bei den infizierten Studienteilnehmern direkt nach der Diagnose. "Das ist ein einschneidendes Erlebnis, das die Betroffenen in ein Loch reißen kann", sagt Heike Gronski. Zur psychischen Belastung kommt, dass der Körper sich erst an die Medikamente gewöhnen muss. Gerade in der Anfangszeit oder bei einer Umstellung der Therapie kann es verstärkt zu Nebenwirkungen kommen. Nach erfolgreicher medikamentöser Einstellung werden die Medikamente aber in der Regel gut vertragen. Was bleibt, sind Kontrollbesuche beim Arzt.

Übertragungsmöglichkeiten Große Unkenntnis gibt es nicht nur hinsichtlich des Verlaufs einer HIV-Infektion, es herrschen auch völlig falsche Vorstellungen von den Übertragungswegen. HIV-infizierte Menschen werden selbst im Berufsalltag immer wieder als Bedrohung für die eigene Gesundheit wahrgenommen. "Besonders viele Vorurteile
und Ängste gibt es in der Kinderbetreuung, in der Gastronomie und im medizinischen Bereich", so die Erfahrung von Heike Gronski. Dabei kann das Virus weder durch das Benutzen derselben Kaffeetasse, noch durch Anniesen oder Küssen übertragen werden. Selbst im Erste-Hilfe-Fall genügen die üblichen Schutz- und Hygienemaßnahmen. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn Viren in ausreichender Menge mit offenen Wunden und Schleimhäuten in Berührung kommen. Das ist im Berufsleben bei Einhaltung der üblichen Hygienemaßnahmen nicht möglich. Hinzu kommt: Bei erfolgreicher HIV-Therapie ist die Menge der Viren im Blut so gering, dass das Übertragungsrisiko selbst dann sehr niedrig ist. Das bedeutet: Im Arbeitsalltag besteht praktisch kein Infektionsrisiko für Kollegen oder Kunden.

Entsprechend dürfen Menschen mit der Diagnose HIV-positiv auch alle Berufe ausüben. Außerdem muss der Arbeitgeber nicht über eine Infektion informiert werden. "Es gibt keine Offenbarungspflicht", sagt Markus Drosten, Leiter des Sachgebiets Kündigungsschutz und Begleitende Hilfe beim Integrationsamt Hamburg, das bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration angesiedelt ist. „Eine Ausnahme besteht, wenn aufgrund der Erkrankung eine Tätigkeit nicht ausgeübt werden darf“, führt er aus. Das gilt laut Aids-Hilfe aber nur für Chirurgen, wenn noch HIV im Blut nachgewiesen werden kann. Dann dürfen sie einige Operationen nicht durchführen. Schwierigkeiten kann es auch geben, wenn mit dem Beruf Dienstreisen in Länder verbunden sind, in denen Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen für Menschen mit HIV gelten.

Outing bei der Arbeit Ein sensibles Thema ist, wenn Arbeitnehmer am Arbeitsplatz von ihrer Infektion erzählen, gerade vor dem Hintergrund der großen Ängste, die mit HIV verbunden sind. "Wir hören immer wieder von sehr heftigen Reaktionen, wenn eine HIV-Infektion bekannt wird", erzählt Heike Gronski. "Dabei sind die Probleme, die durch HIV am Arbeitsplatz auftauchen, rein sozialer Natur." Nach Schätzungen der Aids-Hilfe informieren mehr als drei Viertel der Betroffenen Arbeitgeber und Kollegen nicht über ihre Krankheit. Im Praxisbeispiel auf der folgenden Seite berichten zwei Arbeitnehmer von sehr unterschiedlichen Erfahrungen, die sie mit ihrem Outing bei der Arbeit gemacht haben. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Arbeitgeber oder die Schwerbehindertenvertretung erfährt, dass ein Mitarbeiter HIV-positiv ist, darf diese Information nicht an Dritte weitergegeben werden. Heike Gronski rät den Arbeitnehmern, vor einem Outing mögliche Folgen zu bedenken und sich gegebenenfalls beraten zu lassen. Kommt es bereits zu Diskriminierung in einem Unternehmen, kann die Aids-Hilfe hinzugezogen werden, im Betrieb aufklären und Vorurteile abbauen.

Schwerbehindertenstatus Hilfe bietet auch das Integrationsamt. "Voraussetzung ist allerdings, dass eine Schwerbehinderung anerkannt ist oder aber ein GdB von 30 oder 40 und eine Gleichstellung durch die Agentur für Arbeit erfolgt ist", sagt Markus Drosten vom Integrationsamt Hamburg. Bei der Diagnose HIV können sich die Betroffenen einen Grad der Behinderung (GdB) von zehn anerkennen lassen. Ein höherer GdB ist möglich, wenn dauerhafte Nebenwirkungen durch die erforderlichen Medikamente oder psychische Probleme wie eine Depression hinzukommen. Der Schwerbehindertenstatus besteht, wenn der GdB bei mindestens 50 liegt. "Dann bieten wir die Begleitung durch die Integrationsfachdienste an", sagt Markus Drosten.

* Bundesarbeitsgericht vom 19. Dezember 2013 (6 AZR 190/12), in: Behindertenrecht 1/2016
** National AIDS Trust (Hrsg.): Working with HIV. A summary of NAT’s HIV employment research. London, 2009

WEITERE INFORMATIONEN

HIV und Aids

HIV ist die Abkürzung für "Humanes Immundefizienz-Virus". Das Virus schädigt das Immunsystem. Wird eine HIV-Infektion nicht behandelt, können lebensbedrohliche Erkrankungen auftreten und man spricht von Aids. HIV ist nicht heilbar, durch eine lebenslange Einnahme von Medikamenten aber gut behandelbar. Menschen mit HIV haben bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine fast normale Lebenserwartung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) leben in Deutschland derzeit rund 83.400 Menschen mit HIV. Die Deutsche Aids-Hilfe schätzt, dass rund zwei Drittel der Infizierten berufstätig sind. Dem RKI zufolge wurden 2014 bundesweit 3.525 Neudiagnosen gemeldet. Ein Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwei Ursachen sind die steigende Zahl von Flüchtlingen und eine verbesserte Datenerhebung. In Europa – vor allem Osteuropa – ist die Zahl der HIV-Neudiagnosen noch stärker gestiegen.

Mehr unter: www.aidshilfe.de

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Praxisbeispiele

Ein menschlicher Umgang

Die Infektionskrankheit HIV stößt im Berufsleben auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Zwei Arbeitnehmer erzählen ihre Geschichten.

Dirk Stöllger lacht in die Kamera, neben ihm auf einem Schrank die   gelben Drumbo-Spardosen der Co
Dirk Stöllger hat seinen Kollegen erzählt, dass er HIV-positiv ist ... und er hat damit nur positive Erfahrungen gemacht, (c) Claudius Pflug
Inzwischen ist es zwölf Jahre her. In der wöchentlichen Montags-Runde der Berliner Commerzbank-Filiale waren die aktuellen Aufgaben und Termine schon besprochen. Auf der Tagesordnung stand noch der Punkt "Sonstiges", als Dirk Stöllger das Wort ergriff. "Ich war jetzt ja zwei Wochen krank und das zieht folgende Änderungen nach sich", eröffnete der Wertpapierberater. Er werde von seinem Amt als Ersthelfer zurücktreten, um niemanden zu gefährden. Und wenn er selbst blutende Wunden habe, sollten die anderen unbedingt Handschuhe anziehen. "Ich lebe offen schwul – nach diesen Sätzen war meinen Kollegen alles klar", erinnert sich Dirk Stöllger. Zwei Wochen zuvor hatte er die Diagnose HIV-positiv erhalten. In der Besprechung waren alle so betroffen, dass die Bankfiliale an jenem Tag Stunden verspätet öffnete.

Arbeitgeber als Maßstab Für Dirk Stöllger war von Anfang an klar, dass er Arbeitgeber und Kollegen über die Krankheit informieren würde. Angst vor Diskriminierung hatte er nie. "Das liegt an meinem Arbeitgeber: wie er zum Anderssein steht und mit Vielfalt umgeht", sagt der heute 46-Jährige. Diskriminierung werde bei der Commerzbank nicht geduldet, Diversity großgeschrieben.

Angst um den guten Ruf Ganz andere Erfahrungen hat Thomas Meyer (Name geändert) gemacht. Auch er ist HIV-positiv, er arbeitet als Krankenpfleger in einer kleinen Klinik in Süddeutschland. Sein richtiger Name und der des Krankenhauses dürfen hier nicht genannt werden – ihm wurde schon vor Jahren vom Arbeitgeber deutlich signalisiert, dass ein öffentlicher Umgang mit der Infektion nicht erwünscht ist. "Die fürchten um ihren guten Ruf – und dass sie Patienten verlieren", glaubt der 30-Jährige. Auch mit Kollegen darf er nicht über die HIV-Infektion sprechen. "Warum, wurde mir nie gesagt." Als er sich vor Jahren in dem Haus bewarb, verschwieg er die HIV-Infektion bewusst. Er hatte Angst, sonst chancenlos zu sein. Später erfuhr er, dass die Klinikleitung dennoch von seiner Infektion erfahren hatte. "Über meine Einstellung wurde hitzig debattiert", erzählt er. "Auch weil ich – rechtlich völlig korrekt – meine HIV-Infektion geheim gehalten habe."

Große Solidarität Dirk Stöllger hat mit seinem Outing positive Erfahrungen gemacht. "Meine Erfahrung ist: Wenn man offensiv mit dem Thema umgeht, bekommt man Hilfe und Unterstützung – und die braucht man", erklärt er. In der ersten Zeit nach der Diagnose ging es ihm extrem schlecht. Er vertrug die Medikamente nicht. Die Nebenwirkungen führten dazu, dass er kaum laufen konnte. "Arbeiten war fast nicht möglich", erinnert er sich. Kam er dennoch ins Büro, verbrachte er viel Zeit auf der Toilette, er hatte ständig Durchfall. Damals wurde ihm ein Grad der Behinderung von 60 anerkannt. Dirk Stöllger erfuhr viel Solidarität durch die Kollegen. "Weil sie wussten, was mit mir los war", so seine Überzeugung. Berührungsängste waren kein Thema, im Gegenteil: "Als es mal an Besteck mangelte, fragte ein Kollege demonstrativ, ob er den von mir schon benutzten Löffel haben könnte." Seit elf Jahren bekommt Dirk Stöllger Medikamente der neueren Generation. Seitdem spürt er kaum noch Nebenwirkungen. "Ich kann wieder ein normales Leben führen und meinem Beruf nachgehen", sagt er. Was bleibt, sind regelmäßige ärztliche Kontrolltermine.

Rückansicht von Thomas Meyer, der einen Kapuzenpulli trägt und  eine Straße entlanggeht, (c) Klau
Thomas Meyer wurde vom Arbeitgeber verboten, über seine Infektion zu sprechen, (c) Klaus D. Wolf
Berührungsängste werden forciert
Auch Thomas Meyer hatte immer  mal wieder mit Nebenwirkungen der notwendigen Medikamente zu kämpfen, besonders mit Kreislaufproblemen. Vor einem Jahr wechselte er zuletzt das Präparat. Heute geht es ihm gut. "Auf meine Arbeit hatte das aber keine Auswirkungen. Ich habe weniger Krankheitstage als andere Kollegen", sagt er. Trotz Verbot informierte Thomas Meyer das Team über seine HIV-Infektion. "Damit die Kollegen wissen, wie sie sich verhalten müssen, wenn ich mich mal verletze", erklärt er. Eine Krankenpflegerin versorgte ihn von da an regelmäßig mit aktuellen Stellenangeboten. "Da könne ich mich doch mal bewerben", soll sie empfohlen haben. Das ging so lange, bis er eines Tages laut wurde. "Die wollte mich loswerden", erinnert er sich. Diskriminiert wurde Thomas Meyer auch, als er selbst als Patient in einem anderen Krankenhaus lag. "Die Pflegekräfte streiften sich zwei Paar Handschuhe über, um mein Bett zu wechseln oder mir das Essen zu reichen", sagt er. Der Grund für solches Verhalten? "Keine oder falsche Informationen über die Ansteckungsmöglichkeiten", glaubt der 30-Jährige. Dann erzählt er von Schulungen zu Infektionskrankheiten, an denen er und seine Kollegen regelmäßig teilnehmen müssen. Berührungsängste werden dort forciert: "Die Dozenten empfehlen explizit, bei Kontakt mit HIV-positiven Patienten zwei Paar Handschuhe zu tragen."

Dirk Stöllger ist heute freigestellter Betriebsrat bei der Commerzbank. In dem Konzern ist seine Immunschwächekrankheit allgemein bekannt, er hat schon den einen oder anderen HIV-positiven Kollegen beraten. "Jeder muss für sich selbst die Entscheidung treffen, ob er sich outet", sagt er. "Aber für mich ist der offene Umgang genau das Richtige."

Thomas Meyer arbeitet jetzt seit fast zehn Jahren in der Klinik in Süddeutschland, die Aufregung unter den Kollegen um seine Infektion hat sich gelegt. "Ich würde gerne offen zu meiner HIV-Infektion stehen", sagt er. Doch seine Angst vor weiterer Diskriminierung ist groß. "Ich wünsche mir, dass mit HIV-Infizierten menschlicher umgegangen wird", sagt er.

WEITERE INFORMATIONEN

Slideshow "HIV und Aids – ein rein soziales Problem"

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Fakten statt Vorurteile

Wie wird HIV übertragen?
HIV ist schwer übertragbar. Ein Infektionsrisiko besteht nur, wenn Viren in ausreichender Menge mit offenen Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Infektiös können Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Darmsekret und Muttermilch sein. Bei einer erfolgreichen HIV-Therapie ist die Virusmenge im Blut so gering, dass das Übertragungsrisiko sehr niedrig ist.

Darf ein Arbeitgeber nach einer HIV-Infektion fragen?

Nein, HIV-positive Menschen müssen sich niemandem offenbaren. Wird dennoch nach einer HIV-Infektion gefragt, dürfen ohne rechtliche Folgen falsche Angaben gemacht werden.

Gibt es Gefahren für Kollegen oder Kunden?

Im Arbeitsalltag besteht keine Ansteckungsgefahr. Menschen mit HIV können grundsätzlich jede Aufgabe wahrnehmen. Dies gilt für den medizinischen Bereich genauso wie für das Handwerk, den Einzelhandel, die Gastronomie und alle anderen Bereiche. Auch im Erste-Hilfe-Fall reichen die üblichen Schutzmaßnahmen aus.

Ist ein HIV-Test für bestimmte Berufe vorgeschrieben?

Nein. Ein HIV-Test gehört weder zur Einstellungsuntersuchung noch zu arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen. Wird dennoch ein HIV-Test vom Arbeitgeber gewünscht, muss der Mitarbeiter ausdrücklich damit einverstanden sein.

Muss der Arbeitgeber die Beschäftigten über die HIV-Infektion eines Mitarbeiters informieren?

Nein. Es gehört zur Fürsorgepflicht, das Recht HIV-positiver Mitarbeiter auf den selbstbestimmten Umgang mit ihren persönlichen Daten zu achten und die Information über ihre Infektion nicht ohne ihre Zustimmung weiterzugeben.

Darf ein Arbeitgeber einem HIV-Infizierten wegen seiner Infektion kündigen?

Nein. Die HIV-Infektion eines Mitarbeiters ist kein Kündigungsgrund. Auch Druckkündigungen, also Kündigungen auf Veranlassung von Kollegen, sind nicht rechtens, wie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2013 in einem Urteil klargestellt hat.


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